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Published Mai 25, 2020

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.

Helmut Schmidt

Diese Partnerschaft verkörpert Pioniergeist, Innovationskraft und Nachhaltigkeit – sagt Britta Seeger. (Britta Seeger ist Mitglied des Vorstandes der Daimler AG und Mercedes-Benz AG und verantwortlich für Vertrieb.)
Das VISION AVTR unterstreicht den Mut und Pioniergeist unserer Marke – sagt Markus Schäfer. (Markus Schäfer ist Mitglied des Vorstandes der Daimler AG und Mercedes-Benz AG und verantwortlich für Forschung und Entwicklung.)

Inspiriert von der Welt von Pandora zeigt das VISION AVTR eine völlig neue Interaktion zwischen Mensch, Maschine und Natur.“

Mercedes-Benz hat ein großes „Hallo“ hervorgerufen, mit seiner VISION AVTR, dessen Premiere auf der CES in Las Vegas gefeiert wurde. Und wer sich fragt, was für eine Automesse die CES ist, der wird lernen müssen, dass Automobilmessen für Automobil-Hersteller nicht mehr wichtig sind. Wichtig sind heute die Themenfelder Unterhaltung, Zukunftstechniken und Lifestyle. Und das hat nicht nur die Detroit Autoshow lernen müssen. In der „hier geht alles“ Stadt Las Vegas hat Mercedes-Benz die Keynote der CES gekauft übernommen und damit großes Aufsehen auf die Zukunfts-Visionen des Konzerns gelenkt.

Wer nun aber denkt, man könnte ein neues Auto bewundern, der muss sich von der VISION AVTR eines besseren belehren lassen. Und man kann gleich noch eine wichtige Lektion aus dem Auftritt der Marken Mercedes-Benz und Daimler lernen. „Wichtig ist nicht mehr was du kannst, sondern nur noch, was Du den Menschen erzählst.“ Und diese gefährliche Irrung des Automobilbauers hat man untermalt mit einer Kooperation, die man noch in Jahren als Lehrstück der Markenkommunikation hervorkramen wird. Ob das positiv ist? Nun, die Zeit wird es zeigen.

Auf jeden Fall aber ist die Kooperation zwischen dem Automobilkonzern und einem der größten Männer der Traumfabrik Hollywoods bemerkenswert. War man zu Beginn der digitalen Revolution noch damit zufrieden, Pop-Stars als Werbebotschafter zu verpflichten, sind wir 2020 in einer Zeit angekommen, in der Marken ihre Produkte in der Traum- und Entertainmentwelt Hollywoods unterbekommen wollen. Als Premium-Hersteller aus Schwaben hat man sich nicht Lumpen lassen und James Cameron zur Kooperation überzeugen können. An dieser Stelle kann man über die Summen hinter solchen Deals nur spekulieren, klar ist jedoch, jemand der mit einem Budget von 237 Millionen einen Film produziert, der am Ende 2.7 Milliarden Euro einfährt, den bekommt man nicht für Beiträge aus der Portokasse.

The Show must go on!

Selbst als Fan von James Cameron Filmen muss man sich jedoch über die Idee von Mercedes-Benz wundern. Oder – man wundert sich besser über gar nichts mehr. Denn der Erfinder des Automobils hat nicht nur den Start der E-Mobilität fulminant verschlafen, in einer beeindruckenden Fehl-Beurteilung zudem voreilig die Anteile am E-Vorreiter Tesla verkauft, nein – man hat sich zudem in der „Diesel-Krise“ lächerlich gemacht und selbst demontiert. Doch, egal – die Show muss weiter gehen. Geheimdienste würden von einer „Strohmann-Aktion“ sprechen – bei Mercedes-Benz nutzt man andere Worte:

„Sustainable Modern Luxury“

Wir dürfen aus der, noch nach Bewusstseinserweiternden Drogen riechenden, Pressemeldung zitieren:

Verschmelzung von Interieur und Exterieur: Das ganzheitliche Konzept des VISION AVTR vereint die Designdisziplinen Interieur, Exterieur und UX in nie dagewesener Form. Die unverwechselbare Inside-Out-Designstruktur verbindet innen und außen zu einem emotionalen Ganzen und wurde von mehreren Lebewesen aus dem Film AVATAR inspiriert. Mit dem gestreckten „One Bow“-Design und der organischen Designsprache bietet das VISION AVTR einen visionären Ausblick auf das Design der Zukunft.

Biometrische Verbindung: Anstelle eines herkömmlichen Lenkrads ermöglicht das multifunktionale Bedienelement in der Mittelkonsole die Verschmelzung von Mensch und Maschine. Durch das Anlegen der Hand auf die Control Unit erwacht der Innenraum zum Leben und das Fahrzeug erkennt den Fahrer an seiner Atmung.

Immersiver Erlebnisraum: Durch einfaches Anheben der Hand wird eine Menüauswahl auf die Handfläche projiziert, durch die der Passagier intuitiv zwischen verschiedenen Funktionalitäten wählen kann. Beispielsweise können 3D-Grafiken in Echtzeit verwendet werden, um die fiktive Welt von Pandora aus verschiedenen Perspektiven zu erkunden. Der geschwungene Bildschirm schafft die visuelle Verbindung zwischen Passagieren und der Außenwelt. 

Mercedes-Benz Pressemeldung zur VISION AVTR

Das einzig dumme daran?

Nichts an dieser Vision ist nicht ausgedacht. Die Steuerelemente funktionieren nicht. Das Design funktioniert nur in Hollywood-Filmen und ein Blick in die Technik des Konzeptfahrzeuges ist so sinnvoll, wie ein Blick in den Maschinenraum des Schiffes mit der Kennung NCC-1701-E.

Die Passagiere sind mit ihrem ergonomischen Fahrzeug über die Sinne verschmolzen und können verschiedene intuitive Funktionen über Projektionen auf der Handfläche nutzen.

Die Kernbotschaft lautet: „Wir haben es verbockt!“.

Mercedes-Benz hat derzeit ein Orientierungsproblem und ein Glaubwürdigkeitsproblem. Der „erste Mercedes“ unter den Elektrofahrzeugen ist ein Flop, bislang. Und anstelle eines Produktes für Konsumenten, flüchtet man sich in die Traumfabrik Hollywoods. Während noch immer über Fahrverbote von Dieselfahrzeugen spekuliert wird, die Gesellschaft auf kaufbare nachhaltige Mobilität wartet und die Menschen sich fragen, wie man auch in der Zukunft Mobilität und Nachhaltigkeit mit dem eigenen Geldbeutel in Einklang bekommt, liefert Mercedes-Benz kurzweilige Unterhaltung ab. Anstelle von Effekten, nur Effekthascherei.

Das James Cameron aber nicht nur der Macher von Avatar ist, sondern auch Filme wie True Lies und Titanic produziert hat, mag man als witzige Anekdote abtun, oder als Orakel. Zur CES-Vision von Mercedes-Benz würden beide Filme ebenso gut passen.

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