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Published Juli 20, 2020

JP von JP Performance, Jean Pierre Kraemer oder – wie er sich lange Zeit selbst nannte, der „Schokohase“, ist der erfolgreichste YouTuber zu Automobilen Themen in Deutschland. Seine Videos erreichen binnen Stunden 6-stellige Zugriffszahlen und Jean Pierre gilt als eine der schillerndsten Werbefiguren – die sich Automobil-Hersteller in Deutschland suchen können.

Von Mercedes-Benz zu Porsche, von Audi bis Ford – JP Performance hatte sie alle. Sein Geschäftsmodell? Lockere Sprüche und vor allem tiefer, breiter, lauter.

Mit 142 km/h klar über das Ziel hinaus geschossen

Um den erfolgreichen YouTube-Kanal am laufen zu halten, bringt JP Performance täglich ein neues Video auf der Plattform von Youtube. JP versteht es, wie kein Zweiter, seine Talente zu vermarkten und man nimmt ihm die Rolle des Tuning-Experten gerne ab. (Wiki-Eintrag von JP)

Bei seinem „Besuch“ bei H&R sind ihm jedoch ein paar der Elektro-Gäule seines aktuellen Porsche Taycan durchgegangen. 142 km/h in der Ortschaft. Ernsthaft?

Auch wenn die Geschwindigkeit nur für Sekunden anlag, man muss sich schon fragen – was hat er sich dabei gedacht?

Nun muss ich als begeisterter Autofahrer und auch – wenn gleich wohl mit viel wenig Erfolg gesegnet – Content-Creator für Youtube einwerfen: Es ist wirklich auch ein ewiges Damoklesschwert – die Dynamik von Automobilen in Videos einzufangen ist schwierig – die Zeitfenster für die Produktion von Videos oftmals sehr überschaubar. Die Tempolimits auf Landstraßen führen zudem dazu, dass man die Leistungsfähigkeit, gerade von Performance-Fahrzeugen, nicht wirklich demonstrieren kann. Der Führerschein-Verlust wäre zugleich Jobverlust. Auf der anderen Seite; Wo kein Kläger, da kein Richter.

Nun ist dem Profi jedoch ein – womöglich – folgenreicher faux-pas passiert. Das die Kamera den Tacho mit filmte ist vermutlich kein wirklicher Beweis für ein Gerichtsverfahren – aber dumm ist es alle mal.

Neues Video – jetzt ohne Tachobild

Nachdem bereits die ersten Kommentare der großen Fanbase von JP diskutierten, ob denn 142 km/h „innerorts“ nun besonders sportlich, verrückt, voll krass oder einfach nur unverantwortlich wären – wurde das original Video gelöscht und eine editierte Version hochgeladen. Nun – politisch – und im Sinne der StVO korrekt.

Die Sache mit dem Vorbild

Ich will an dieser Stelle weder Moralapostel sein, noch mehr als notwendig über die Zielgruppe von JP philosophieren – aber ich frage mich doch wie das passieren konnte?

JP hat mehrere Mitarbeiter die sich nur um die Erstellung von Videos kümmern – da muss sowas doch auffallen. Ich selbst fahre auf Landstraßen natürlich immer nur Tempo 100 – also, wenn erlaubt – ist klar – logo – selbstverständlich – natürlich … und ja, bei mir haben auch schon kluge Köpfe die Zeitabstände zwischen vorbeifliegenden Straßenpfosten gezählt. Aber – eines muss uns allen doch klar sein; Mit unseren Videos über Autos, auf YouTube, einer Plattform die allzu oft von (geistigen) Kindern genutzt wird, muss man irgendwie auch in das Rollenmodell des Vorbildes schlüpfen. Und ja, ein einmal veröffentlichter Faux-Pas wird digital immer erhalten bleiben.

Nun ist das Geschäftsmodell von JP so clever, dass die genutzten Fahrzeuge der Industrie, immer eine Zulassung auf JP besitzen und damit sind die Presse- und Marketing-Abteilungen der Hersteller fein raus, aber dennoch darf man sich die Frage stellen, ob das Konsequenzen für JP haben wird? Oder war es einfach nur ein Video, perfekt auf die Zielgruppe zugeschnitten?

Wie seht ihr das? Sind 142 km/h ind der Ortschaft – wenn auch nur für Sekunden – etwas was man „erklären“ kann?

Ein Kommentar

  1. „Wie seht ihr das? Sind 142 km/h in der Ortschaft – wenn auch nur für Sekunden – etwas was man „erklären“ kann?“

    Nein. Denn selbst bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von „nur“ 21 km/h (neue Fahrverbotsgrenze), steigt die Todeswahrscheinlichkeit eines Fußgängers im Falle eines Zusammenstoßes um ca. 50% gegenüber 50 km/h. Gerade innerorts sehe ich solche Überschreitungen entsprechend sehr kritisch, denn letztendlich nimmt man damit billigend in Kauf, dass jemand anderes zu schaden kommt. Man weiß vorher nicht ob zwischen den Autos vielleicht doch ein Kind steht oder jemand nach dem Parken die Tür öffnet (unwissend dass dort jemand mit 140 km/h angebrettert kommt).
    Quelle: https://www.zukunft-mobilitaet.net/156686/verkehrssicherheit/risiko-fussgaenger-kollission-fahrzeug-todesfall-geschwindigkeit-tempo30/
    Ist schließlich logisch, die kinetische Energie als primär relevante Energie im Falle des Zusammenstoßes steig gemäß Ekin = 1/2 * m * v^2 quadratisch mit der Geschwindigkeit. Mal abgesehen von dem längeren Reaktions- und Bremsweg.

    Natürlich ist es auch außerorts verwerflich, aber dort noch eher tolerierbar (was in der Vergangenheit ja auch oft vorkam und in den Videos zu sehen war). Aber gerade JP in seiner Vorbildfunktion sollte sich dadrüber nochmal Gedanken machen. Die Media Abteilung sehe ich im übrigen nicht in der Schuld. Denn auch ohne Kamera wäre JP 140 km/h innerorts gefahren und wir können sicher sein: das war nicht das erste und nicht das letzte mal.

    Der digitale Faux-pas befindet sich bei Interesse noch auf meiner Festplatte.

    Grüße

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